Diese Augen, dieses süße Geräusch !
Wollbaby – Alpakafohlen in der Uckermark from Michaela, die Grinsekatz on Vimeo.

Wie das so ist mit der Vorstellung und dem was man findet: oft ist es vollkommen anders, aber am Ende noch besser: Ich hatte nur „Alpaka Park“ in einem Artikel gelesen, schnell die Mailadresse rausgesucht und einen Gesprächstermin mit der Inhaberin Frau Funke vereinbart. In meinem Kopf gab es einen Streichelzoo, Eis, Kinderrutschen und einen Parkplatz für Familienautos 🙂 Um so erstaunter war ich bei der Ankunft, als ich einen „Landwirtschaftsbetrieb“ vorfand: hätte ich ordentlich geguckt, wäre ich nämlich über die Worte Alpakazucht und Wollmühle gestoßen. Das Ehepaar Funke hat das ehemalige LPG Gelände 2005 anfänglich für die Pferdehaltung erworben und dann auf Alpakas umgesattelt „Wir waren augenblicklich verliebt, in diese sanften und schönen Tiere. Sie gehören, wie die Lamas, zu den Neuweltkameliden, und wurden in ihrer südamerikanischen Heimat schon vor etwa 7000 Jahren domestiziert. In Deutschland werden Alpakas in erster Line zur Wollgewinnung, zur Landschaftspflege – ideal wegen ihrer bodenschonenden „Schwielensohlen“ – und als Wanderbegleittiere gehalten. Außerdem sind sie so empfindsam und gelehrig, dass sie sich super als Therapietiere eignen, zum Beispiel in der Arbeit mit Demenzpatienten. Sie haben ein unaufdringliches Wesen und reflektieren immer das Verhalten ihres menschlichen Gegenübers. Einige Tiere aus unserer Zucht sind jetzt bei einer Berliner Psychologin und haben dort sogar das Fahrstuhlfahren gelernt, oder setzen sich auch auf Kommandos hin. In der Landschaftspflege sind sie genügsam,  leiser als Schafe, und „kötteln“ auch nicht so viel, was sie auch für Privatnutzen attraktiv macht. „Nachdem wir erst die Stuten und Fohlen besucht haben, – eine Alpakastute trägt sogar 11 Monate lang-  ging es dann zu den „Männern“, von denen es mir besonders der helle „van Gogh“ und der schöne,schwarzgelockte „Aslan“ angetan haben… warum letzterer gemeinhin Knuutschi genannt wird seht ihr weiter unten 🙂 nur soviel: ich hab mich unsterblich in ihn verliebt und er hat, nach Aussage von Ursula Funke, schon viele weibliche Herzen erobert…untereinander werden dann aber auch schon mal die Fronten geklärt. Daher kommt übrigens auch der Spuckreflex der Lamas und Alpakas, sie spucken generell nicht nach Menschen, sondern nur untereinander um die Rangordnung auszudiskutieren. Und dann durfte ich die anderen tierischen Bewohner kennenlernen: die „Redneck“Wallabies sind eine kleine Känguruart und werden als „Liebhabertiere“ auch hierzulande beliebter „Sie können auch handzahm werden, sind generell aber sehr empfindsam und schreckhaft, und brauchen unbedingt Auslauf und Artgenossen““.  Für den für mich überraschendsten Teil ging es dann rein: neben der Alpakazucht ist die Wollmühle der Hauptgeschäftszweig. Aus ganz Deutschland und diversen anderen Ländern wird den Betreibern mittlerweile Rohwolle zur Weiterverarbeitung zugesandt. „Momentan haben wir eine Warteliste von etwa 11 Monaten. Das mag sich zunächst lang anhören, aber tatsächlich sind wir damit einer der schnelleren Anbieter. Der Prozess beinhaltet viele Einzelschritte und ist extrem zeitaufwändig. Neben unserer eigenen und eingesandter Alpakawolle – die Tiere werden einmal im Jahr geschoren – verarbeiten wir  auch Schafwolle, sowie Hunde-, Kaninchen- und Katzenschurhaar und sogar Kamelwolle. Dabei sind wir immer wieder begeistert vom Seidengefühl der Alpakawolle, die so ausgleichend wirkt, das man einen Pullover problemlos auch an warmen Tagen tragen  kann. Die fertige Wolle  und einige Produkte sind in unserem Onlineshop erhältlich, doch in erster Linie sehen wir uns als Verabeiter für andere Züchter.“
 Die Wolle wird mit einem milden Zitronenöl vorgewaschen, nachdem grobe Verschmutzungen abgezupft wurden und wird dann in eine Art „Trockensauna“ gepustet“.  Die gereinigte Wolle wird dann anschließend zu einem Flies verarbeitet. welches je nach Qualität zum Karderfaden für die Wollverarbeitung oder zum Filzen genutzt wird.  Nachdem der Wollfaden versponnen ist, wird er buchstäblich und mit Hochdruck kurz unter Dampf gesetzt und aufgespult.     „Manche Rohschuren sind für die Wollproduktion ungeeignet, beispielsweise ist der Nachschnitt oft zu kurz, oder das Fohlenfell in ersten Jahr durch das Fruchtwasser angegriffen. Diese Bestandteile sind gut zur Filzherstellung geeignet. Hierfür wird das Flies in mehreren Lagen angeordnet, mit Seifenlauge eingeweicht und die Maschine übernimmt dann den mechanischen Rüttelprozess.“      

Wollmühle Arendsee from Michaela, die Grinsekatz on Vimeo.

Klar, dass ich auch ein Erinnerungsfoto brauchte 🙂 Vielen Dank für die spannende Führung an das Ehepaar Funke !  Wer die sanften Wollnasen einmal persönlich kennen und die Wollverarbeitung selbst erleben möchte, der sollte sich unbedingt vorher anmelden – es lohnt sich auf jeden Fall.

 

Bernd und Ursula Funke
Hauptstr. 31
17291 Nordwestuckermark / Arendsee
Telefon: 03985249840
Handy: 015233759428